Montag, 23. November 2009

Einfach paranormal!

22.11.2009:

Eigentlich wollten meine Freunde und ich uns doch nur bei einem von uns versammeln und etwas trinken und quatschen. Was man halt so an einem Sonntagabend - den "Tatort" und die Spielfilme lasse ich mal außen vor - macht. Nun, das haben wir am Samstagabend ausgemacht. Im Suff. Und dennoch war es ernstgemeint.

Gegen 18.30 Uhr erfahre ich dann, nachdem eine Geburtstagsfeierlichkeit bei mir zu Hause beendet wurde, dass es nun ins Kino geht. Ich fand die Idee auf Anhieb klasse. Erst recht, als ich erfuhr um welchen Film es sich handelte. "Paranormal Activity" heißt der Streifen, der zur Zeit wahrscheinlich in aller Munde ist. Die Handlung ist, genau wie die Aufmachung des Films, ziemlich simpel. In "Paranormal Activity" wird ein junges Pärchen gefilmt - oder sollte ich sagen: "filmt sich selber"?

Der Film beginnt damit, dass der männliche Hauptdarsteller namens "Micah" (nebenbei sind das die echten Namen der "Schauspieler") seiner Freundin, eine ziemlich große und offensichtlich auch teure Kamera, die er soeben geliefert bekommen hat, vorstellt. Der Zweck dieser Kamera wird nicht lange vorenthalten und bald ist klar: "Die wollen sich selber filmen, während sie schlafen!". Warum wollen sie das? Katie berichtet, dass sie, seitdem sie 8 Jahre alt ist, das Gefühl hat von einem "Wesen" heimgesucht zu werden. Egal, wo sie wohnt, es scheint sie zu verfolgen. Nach den ersten Nächten im Schlafzimmer zeigen die Aufnahmen erst einmal nichts. Doch das High Tech-Mikrofon gibt klar Geräusche wieder, die irgendwo im Haus - zuerst unten im Wohnzimmer - ihren Ursprung haben. Katie wirkt zunehmend beunruhigt, zumal später im Verlauf des Films nicht nur Geräusche das Pärchen nervös machen, sondern, nun zeigt auch die Kamera Dinge, die unmenschlich wirken. Katie konsultiert einen - ich nenne es mal so - Fachmann für Geister. Dieser kann dem Pärchen nicht helfen, da er vermutet, es nicht mit einem Geist, der die Seele eines verstorbenen Menschen wiederspiegelt, zu tun zu haben, sondern tatsächlich mit einem Dämon. Er rät dem Paar, diesen Dämon nicht zu verärgern. D.H. es soll keinerlei Kontakt mit ihm aufgenommen werden, auch die Kamera soll eigentlich ausgeschaltet sein. Katie ist kurz davor, diesen Rat zu befolgen und findet sich damit ab, ab und zu von dem Wesen heimgesucht zu werden und nach Albträumen zu erwachen, als ständig in Angst zu leben, doch Micah sieht das anders. Er will die "Sache" beenden und kann Katie in dem Film öfters überreden, dem Spuk ein Ende zu setzen, indem er versucht den Dämon zu provozieren.
Es geschehen immer mehr übernatürlichere Dinge im Haus und auch mit Katie scheint einiges nicht in Ordnung zu sein. Sie schlafwandelt, verhält sich eigenartig usw.
So wird der Film immer gruseliger und spannender, je mehr Nächte vergehen und der Dämon immer boshafter wird.
Auch ich halte den Film für sehr empfehlenswert!
Aber es bleibt ein gut gemeinter Rat von mir:
SCHAUT EUCH NICHT(!) DEN TRAILER AN!
Ich begang diesen Fehler und empfinde den Film zwar nach wie vor als gut, aber hätte ich den Trailer nicht gesehen, wäre ich mit Sicherheit öfters zusammengezuckt.
Nun, das war eine kurze Inhaltsangabe zu einem Film, der durch seine einfache Art sehr realistisch wirkt.

Nach dem Film gingen meine Freunde und ich aus dem Kino und unterhielten uns noch ein wenig über den Streifen. Wir waren uns alle einig, dass der Film sehr gelungen war. Worüber wir uns noch alle einig waren, waren die Reaktionen manch anderer Kinobesucher. Wer kennt es nicht? Man will einen - traurigen oder gruseligen - Film gucken und will sich, gerade bei einem Horrorfilm, schocken lassen. Das funktioniert soweit auch in den ersten 45 Minuten ganz gut. Nicht nur bei einem selber, sondern auch bei den Mitmenschen im Kinosaal. Irgendwann wird der Film jedoch so gruselig und spannend, dass manch ein Kinobesucher in Form eines Abwehrmechanismus anfängt zu lachen. Ja. Er fängt an zu lachen, bei einer Szene, die überhaupt nicht zum Lachen ist. Ärgerlich. Je spannender der Film wurde, desto unruhiger wurde das Publikum. Die Stimmung war nicht mehr so gut, wie noch zu Beginn.


Nach einer selbstgedrehten Zigarette für Philipp und mich wollten wir gerade Richtung Auto gehen, als mir nun plötzlich wieder - eigentlich schon längst vergessene und u.a. schauderige - Beispiele zu den Themen "Schlaf", "Traum", "Schlafwandeln" und "Angst" einfielen. So unterhielten wir uns z.B. über gemachte Erfahrungen mit Schlafwandlern und mir wurde immer mehr bewusst, wie ungeschützt man eigentlich in der Nacht, während man schläft, ist.


Ich kann mir auch vorstellen, dass hier einer von einigen Gründen liegt, warum der Film so erfolgreich ist. Die Kameraführung und dieses Realitätsnahe ist nicht neu. "Blair Witch Project" liegt schon Jahre zurück und es gab einige Filme danach, die diesem Prinzip folgten. Ich denke es ist dieses Einfache und Alltägliche wie in der Nacht zu schlafen und dabei völlig ungeschützt zu sein. Dem Zuschauer fällt es daher auch nicht schwer sich in die Lage der Darsteller hineinzuversetzen. Seien wir doch mal ehrlich. Jeder hat schon mal nicht einschlafen können, weil er irgendwann mal das Gefühl hatte: "Was wäre, wenn jemand hier in mein Zimmer kommt und mir etwas antun will, wenn ich schlafe?"

Ich würde wetten, dieser Film wird dafür sorgen, dass nun mehr Menschen die Idee haben, ihre Kamera einzuschalten, während sie schlafen. Klar. Das haben bestimmt schon viele gemacht. Jedoch hörte ich nur von Leuten, die sich selbst beim Schlafen filmten, um zu sehen, was sie so in der Nacht treiben. Ob sie schnarchen oder schlafwandeln. Aus Interesse eben. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es nun einige geben wird, die sich filmen um sehen, ob sie wirklich paranormalen Aktivitäten ausgesetzt sind. Was wäre, wenn das der Fall ist? Was wäre, wenn sie wirklich das Gefühl haben auf dem Videoband etwas gesehen zu haben, das übernatürlich erscheint? Die meisten würden das als "unwichtig" markieren und in irgendeine Schublade stecken und diese für eine lange, lange Zeit geschlossen halten. Aber es gibt doch diese Sorte von Menschen: Die (etwas) Naiveren. Die, die sich leicht beeinflussen lassen.Die, die glauben, dass ein iPhone ein App besitzt, dass sie zum Mond befördern kann. Diejenigen, die davon wirklich überzeugt sind, etwas auf dem Videoband gesehen zu haben, dass sich nur durch eine übernatürliche Kraft erklären lässt; können diese Menschen noch leicht einschlafen?

Könnte es nicht etwa sein, dass ein einfacher, unkomplizierter, 90 minütiger, gruseliger Film, der uns zeigt wie aufgeschmissen wir sind, wenn wir schlafen, so einigen Menschen Angst davor macht, einzuschlafen?